Wiederstein im Untergrund :

Wiederstein im Untergrund
Der „Grund Seel- und Burbach, der die beiden Kirchspiele Burbach und Neunkirchen umfasste, unterlag der Gesamtherrschaft von Nassau und Sayn“. Das bedeutet: Die Grafen von Nassau und Sayn übten gemeinsam die Herrschaft im Freien Grund aus. Das war nicht immer so, vielmehr hatten sich im 12. bis 15. Jahrhundert beide Grafenhäuser bemüht,
möglichst viele Güter im Freien Grund zu erwerben und möglichst viele eigene Untertanen hier anzusiedeln, wohl immer in der Hoffnung, es möge dieser Weg eines Tages zur Angliederung des ganzen Grundes an ihr Gebiet führen. Daraus entstanden ständig Streitigkeiten. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts bestanden sogar Pläne, den Freien Grund zu trennen, um ein für allemal die stetigen Ärgernisse aus der Welt zu schaffen, die durch
die Doppelherrschaft hervorgerufen wurden. Dass es zu der gewünschten Spaltung nie gekommen ist und der Freie Grund in der heutigen Form erhalten blieb, ist von der Bevölkerung stets begrüßt worden. Statt dessen schloss man einen Kompromiss (Schiedsgericht 1542 und Burbacher Vertrag 1584). Danach sprach man zunächst Nassau den Hickengrund und die Dörfer Gilsbach und Würgendorf zu, in denen nur nassauische Untertanen wohnten, Sayn aber behielt die rein saynischen Dörfer Altenseelbach und Struthütten. Hierauf wurden die Häuser der übrigen, der gemischten Dörfer, „verlost, verteilt und verbrieft“ unter Nassau und Sayn. Auch bildete man zwei Gerichtsbezirke, einen nassauischen in Burbach und einen saynischen in Neunkirchen. In dem Bericht des Amtmannes Friedrich Ludwig Duncker aus dem Jahre 1812 berichtet dieser über die Einteilung des Freien Grundes zu jenerZeit:


„Der Grund besteht aus zwei gemeinschaftlichen Ämtern Neunkirchen und Burbach, unter welche beinahe alle Dörfer geteilt sind, jedoch auf ungleiche Weise, indem zum Amt Burbach eine größere Anzahl Häuser gehört als zum Amt Neunkirchen.“ Duncker zählt für Wiederstein 29 Häuser, 1 Schulhaus, 1 Eisenhütte und 1 Eisenhammer auf, wobei sich die 29 Privathäuser aufteilen in 15 zum Amt Neunkirchen und 14 zum Amt Burbach zugehörig.
Eine weitere, andere herrschaftliche Einteilung war die in den Ober- und Untergrund, wovon jener die sechs östlichen, dieser die sechs westlichen Dörfer begreift. Ein kleiner Fluss, die Müschenbach, bildete die Grenze zwischen beiden. Die Ortschaften im Untergrund waren (Alten)Seelbach, Struthütte, Neunkirchen, Salchendorf, Zeppenfeld und Wiederstein. Noch größer wurde die Verwirrung durch die Regelung der kirchlichen Verhältnisse. Ursprünglich war der Freie Grund ein Teil des weit ausgedehnten
Kirchensprengels Haiger, der zum Erzbistum Trier gehörte. Er wurde, wahrscheinlich im 12. Jahrhundert, in eine Reihe von Kirchspielen gegliedert, darunter auch Burbach und Neunkirchen. Die Collatur, d. h. das Recht auf Besetzung der Pfarrstellen, besaß in vorreformatorischer Zeit der Bischof von Worms, der es als Lehen den Kolben von Wilnsdorf übertrug, die es auch bis zum Erlöschen ihres Stammes im 16. Jahrhundert ausübten. Als nun Graf Wilhelm von Nassau 1533 in seinen Ländern die Reformation
einführte, wurde auch Burbach lutherisch. Auch von den nassauischen Untertanen des Kirchspiels Neunkirchen forderte er die Annahme der lutherischen Lehre. Dabei nahm er, wie bei allen Kirchen seiner Grafschaft, die geistliche Gerichtsbarkeit und die Collatur der Pfarrkirchen für sich in Anspruch. Nachdem aber auch Graf Adolph von Sayn sich um 1560 von der alten Kirche losgesagt hatte und die lutherische Lehre in seiner Grafschaft
einführte, verlangte er gleichen Anteil an dieser Gerichtsbarkeit und an der Collatur der Pfarrkirchen im Grunde Seel- und Burbach. Der Streit wurde ebenfalls 1584 durch den bereits oben erwähnten Vertrag von Burbach äußerlich dahin beigelegt, dass fernerhin Nassau die Pfarrei Burbach und Sayn die Pfarrei Neunkirchen besetzen sollte.
Infolge all dieser unklaren und verworrenen Verhältnisse gab es bis weit ins 18. Jahrhundert hinein, wie Matthias Dahlhoff (Lehrer in Burbach von 1836 bis 1875) berichtet,
immer wieder „Zwistigkeiten und Misshelligkeiten zwischen den beiderseitigen Landesherren, Beamten und Untertanen“. (Quellen: 700 Jahre Neunkirchen, 1988,
Wikipedia, die freie Enzyklopädie, Gemeindebuch der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Neunkirchen, 1953)

 

Bild des Grafen Wilhelm von Nassau

 

Mehr über Wilhelm I. Graf von Nassau-Dillenburg

 

 

Der Freie Grund
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