Obstgarten Wiederstein (Streuobstwiese) :

 

In Wiederstein wurde eine der größten Haubergsobstwiesen (Obstgärten) mit 1,29 ha angelegt. 334 Obstbäume (Hochstämme und Halbhochstämme) wurden dort gepflanzt. 15 Zwetschen- (Frühe aus dem Bühlerthale), 20 Birnen- (Gute Louise), 299 Apfelbäume (20 Bohnapfel, 46 Kasseler Renette, 66 Luxemburger Renette, 64 Parkers Pepping, 40 Winterrambour und 53 Baumanns Renette).

 

Die Pflanzung wurde geleitet von Lehrer Beel, der von 1886 – 1930 an der alten Kapellenschule in Wiederstein tätig war. Er übernahm auch die Pflege der Obstwiese.

 

Noch heute gehört die Obstwiese, die im Volksmund nur Obstgarten genannt wird,  der Waldgenossenschaft Hauberg Wiederstein.

 

In neuerer Zeit bis Mitte der 1980er Jahre wurden die tragenden Obstbäume für 20 bis 50 DM vor Ort versteigert. Später konnte man die Früchte eines Obstbaumes beim Haubergsvorsteher Richard Gräf auch ohne Versteigerung gegen ein Entgeld zum Abernten erwerben. Als das Interesse der Bevölkerung nachließ und der Gedanke aufkam, die Fläche mit Nutzhölzern aufforsten zu lassen, hat sich Richard Gräf gegen dieses Vorhaben gewehrt. Ende der 80er Jahre wurden sogar nochmals junge Bäume gepflanzt. Ab 2012 wurde die Obstwiese durch die Zusammenarbeit von Waldgenossenschaft Hauberg Wiederstein und Heimat- und Verschönerungsverein Wiederstein reaktiviert.

 

 

Warum war eigenes Obst im Siegerland so gefragt? Dazu einige Preisvergleiche: Lt. Anzeige in der Siegener Zeitung vom 17.Oktober 1891.kostete „ein Centner schöner haltbarer Tafeläpfel zum Aufbewahren“ 10 – 14. Mark, ( ca. ein kg 0,28 Mark), „ein kg „Algäuer Butter“ kostete 2,45 Mark. Der Tageslohn eines Bergmann bei 10 Arbeitszeitsstunden betrug….

 

Zuschüsse für die Anlage der Obstwiesen kamen von Landwirtschaftsministerium und Provinzialausschuss.

 

Zur besseren Durchführung wurde eine Sachverständigen-Kommission gebildet, welche die vorgeschlagenen Flächen besichtigte und auswählte (Lage, Bodenbeschaffenheit, Frostfreiheit).

 

Sowohl die Vorarbeiten (Abschluss im Sommer 1896), als auch die Pflanzungen (Herbst 1896, spätestens Herbst 1897, sonst wären die Fördergelder verfallen), wurden genauestens durch die Kommission festgelegt und beschrieben. Die Sortenauswahl wurde ebenfalls durch die Kommission getroffen.

 

 

Die Entstehung der Obstwiesen im Hauberg wurde durch die Änderung der Haubergsverordnung vom 17. März 1879 ermöglicht. Die Änderung besagte, dass durch Beschluss der betreffenden Haubergsgenossenschaft aus dringenden Gründen des landwirtschaftlichen oder gewerblichen Bedürfnisses, oder des Verkehrs, einzelne Flächen vom Haubergsverband befreit und zu anderen Zwecken verwendet werden dürfen.

 

Grund für diese Änderung, waren die seit über 20 Jahren sinkenden Erträge der Haubergswirtschaft. Die Nachfrage nach Holzkohle ging durch die steigende Nutzung von Steinkohle zurück. Zudem sank durch die Verwendung ausländischer Gerbstoffe die Nachfrage nach Eichenlohe.

 

In vielen Haubergen wurden deshalb Flächen abgetrennt, gerodet und zu Äckern, Wiesen oder Weiden umgewandelt.

 

Am 8. Februar 1895 berichtete ein Mitglied der Haubergsgenossenschaft Eisern in einer Sitzung des Kultur- und Gewerbevereins zu Siegen über die im dortigen Hauberg angelegte Obstwiese. Der Kultur- und Gewerbeverein sollte die Pflanzung von Obstbäumen im Hauberg zur Nachahmung empfehlen, unter anderem wegen der steigenden Nachfrage nach Obst.

 

Am 16. Februar 1895, also nur wenige Tage später, gab es eine landrätliche Anfrage an alle Haubergsvorstände des Kreises, ob auf den jeweiligen Haubergen geeignete Flächen

vorhanden wären, und ob die Genossenschaften „geneigt seien, solche Pflanzungen auszuführen“. Von 13 Haubergsvorständen kamen positive Antworten.

 

 

 

 

 

 

 

Kindergarten " Mittendrin " zu Besuch im Obstgarten Wiederstein :